REVIEWS

Alphamay — Conformity

VÖ: 20.06.2020

Label: Battersea Records

Reviewdatum: 19.6.2020

Autor: Gabi Grimme

Gleichförmigkeit — „Conformity“ heißt das sechste Album des Osnabrücker Duos Alphamay, was aber keinesfalls auf die dreizehn neuen Songs zutrifft. Zwischen Darkwave und Synthiepop angesiedelt, loten Alphamay die Grenzbereiche ihres Genres stärker als je zuvor aus. Viele Songs erscheinen dadurch schillernder und facettenreicher — man könnte auch sagen: gereifter. Positiv an dem Album fällt mir generell die Vielseitigkeit und Ausdrucksfähigkeit des Gesangs auf.

 

Ein in hellen Tonfarben brillierender Vertreter des Synthiepops mit Tendenz zum Futurepop ist „Heir Of Eternity“. In dieses Schema fällt auch der Opener „60 Centuries“. Wesentlich düsterer und wuchtiger gehen die beiden Singles los. Die erste Auskopplung „Afterglow“ ist ein Track mit für Alphamay ungewöhnlichen Industrialanteilen. Der Song ist eine heiße Empfehlung für die Betätigung auf dem Tanzboden. Eine ähnlich dunkle Wucht findet sich in „Good Old Days“, das ordentlich Tempo macht.

 

Die zweite Single „Diorama Story“ vereinigt den typischen „Alphamay“-Sound in sich, der nicht brav den Hörgewohnheiten folgt. Die Harmonien brechen aus dem typischen Harmonieschema aus — vom Leichtem ins Schwere — wie eine Wolke, die sich plötzlich vor die Sonne schiebt und den Tag verdunkelt. Das erinnert an die Anfangstage des (Elektro)Wave und dessen zurückhaltender Melancholie wie sie z.B. auch von „Deine Lakaien“ voller Ästhetik gepflegt wird. 

 

„Praey“ als Abschluss des Albums möchte ich besonders erwähnen, weil es etwas Rockiges (und das ohne Gitarre!!) und doch Mystisches hat — sehr faszinierend!

Das sechste Album von Henning Hammoor und Cris Frickenschmidt als Alphamay fokussiert ihr gemeinsames dreizehnjähriges musikalisches Schaffen. Diesmal haben sie sich mit Krishan Jan-Erik Wesenberg, Hilger Tintel und Andreas Schmitz namhafte Produzenten mit an Bord geholt: Eine erfolgreiche Arbeit, die ein bemerkenswertes Album hervorbrachte.

 

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Tracklist:

60 Centuries

Reach Out

Death Is Kind

Heir Of Eternity

Conform Us

Diorama Story

Caleidoscope

Silence Of The Youth

Follow Me

Afterglow

Good Old Days

Mirror Moon

Praey

 


 

 

 

 

 

 

 

 

Chris Pohl als Mastermind von Blutengel, Terminal Choice, Miss Construction war diesmal unter dem Solo-Projekt „She Hates Emotions“ fleißig. Ziel war ein minimalisitischer, 80er Jahre basierter Sound als Liebeserklärung für eine prägende Zeit des Gruftitums. So viel sei verraten — das Ansinnen ist gelungen.

 

Die New Wave und Synthiepop-Welle der 80er drückten auch Chris Pohl einen entscheidenden Stempel auf. Er huldigt auf „Melachnolic Maniac“ der gepflegten hypersensiblen und feminin angehauchten Melancholie — dem romantischen Grundton der Gothicszene.

 

„She Hates Emotions“ bewegt sich in einem mädchenhaften Universum voller Gefühle (auch wenn sie sie hasst): Einsamkeit, Distanz, Rastlosigkeit und die Angst des Verlassenseins. Der dunkle Weltschmerz ist die thematische Quintessenz des Albums. Das Video zur Single „See The Light“ setzt das emotionale Thema wunderschön in ästhetisch-kühle Szenen um.

 

Neben den beiden Singles „See The Light“ und „Edge Of The Night“, in denen sich die Handschrift dieses Projekts verdichtet — schöne Melodien auf ästhetisch-kühlen Synthieklängen, möchte ich „The Final Dance“ und „Cry Wolf“ hervorheben. „The Final Dance“ ist die Art von entzückendem Synthiepopsong, der sofortigen Tanz- und Mitsingzwang impliziert. „Cry Wolf“ ist — für mich — eine schöne Hommage an Duran Duran, die einstigen Titanen des erstklassigen Popsongs. 

 

Ein ungewöhnlicher Abschluss ist der Titel „Lieben“ ausgewiesen als Bonus Track, weil es sich um einen EBM-Titel handelt, mit dem ich nicht rechnete. Ja, ich als Kind der 80er mag das Album sehr.

 

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Tracklist:

She's a Dreamer (Intro)

Edge Of The Night

City Lights

The Final Dance

See the Light

Leaving

Cry Wolf

Ghosttown

Turn Back the Time

In Your Arms

Don't Leave Me

Lieben (Bonus Track)

She Hates Emotions — Melancholic Maniac

VÖ: 15.5.2020

Label: Out Of Line Music

Reviewdatum: 7.6.2020

Autor: Grimme

L y k a r d

L y k a rd — Unsterblich (Single)

VÖ: 26.3.2020

Label: Infacted Recordings

Reviewdatum: 17.5.2020

Autor: Gabriele Grimme

 

Lykard als gemeinsames Projekt von Vasi V. (Frozen Plasma/NamNamBulu) und Martin B. (Orange Sector) erblickte kürzlich mit der Single „Unsterblich“ das Licht der Welt. Nach erstem Hören klingt es nach EBM, was der stimmlichen Präsenz des Orange Sector Shouters Martin geschuldet ist. Nach eigenen Angaben werden die weiteren Releases das Werk musikalisch wie gesanglich erweitern, was im Sommer auf der geplanten EP zu hören sein soll.

 

Zurück zu „Unsterblich“ — der Hintergrund dieses neuen Projekts des umtriebigen Vasi ist die Rückeroberung technoider Sounds und Eigenheiten. Da ist die EBMlastige Erstnummer nicht grundverkehrt —Techno und EBM weisen viele Ähnlichkeiten auf — und EBM als Basis für Vasis Rückbesinnung auf den Beginn seiner musikalischen Karriere in der Technoszene herzunehmen, scheint logisch. Doch wieviel Techno steckt in „Unsterblich“? Vordergründig recht wenig, bis auf sehr feine Details wie die Hihat, Handiclaps und sparsam eingestreute Synthloops. Das Klangbild ist auch heller als die meisten EBM Stücke. Nach längerem Hören entsteht das Gefühl eines tranceartigen Abhebens — durchtanzte Nächte wären mit diesem Track garantiert. 

 

Auf der Single sind außer dem Club Mix noch zwei Versionen ohne Gesang, wo der technoide Charakter tatsächlich besser zur Geltung kommt.

 

Facebook:  Lykard

 

Tracklist:

Unsterblich

Unsterblich (Club Mix)

Unsterblich (Non Voc Tech)

Unsterblich (Club Non Voc Tech)

Orange Sector

Orange Sector — Zerstörer EP

VÖ: 20.3.2020

Label: Infacted Recordings

Reviewdatum: 17.5.2020

Autor: Gabriele Grimme

 

Die neue Single „Zerstörer“ von Orange Sector war bereits auf dem kompromisslosen Album „Alarm“ (2019) zu hören und wird zu Beginn der globalen Corona-Krise quasi nachgereicht. Es ist ein rein digitales Release bis auf die 100 streng limitierten Vinyls. Unverkennbar ist die Handschrift Orange Sectors ab dem ersten Takt.

 

Die Single lässt auch erkennen, wie Musik mit gesellschaftlicher Entwicklung interagiert und Bedeutung erhält. Noch 2019 war „Zerstörer“ ein zackiger EBM-Titel, perfekt für den Stomp im Club. In Zeiten von Corona, dem Lockdown und den manngifaltigen „Diskussionen“, die im Umlauf sind, bekommt dieses Lied eine Bedeutsamkeit, die einem Angst und Bange macht, weil nicht allein der Virus zerstörerische Wirkung entfaltet. 

 

Erwähnenswert ist noch das Video zu „Zerstörer" mit Blick hinter die Kulissen von Orange Sector, in dem sogar ihre Vorliebe für Ingwertee nicht geheim bleibt. Die Band zeigt einen wunderbareren Zusammenschnitt eines Club-Konzerts, geschaffen aus der Sehnsucht, wieder gemeinsam Livefeeling zu genießen und mit der Hoffnung, dem „Zerstörer“ ein „Wir sind mehr“ entgegen zu setzen. Der zweite Track auf dem Release ist die perfekte Ergänzung. In dem Schlachtruf steckt der Widerstand gegen den Zerstörer. 

 

Für den Haupttrack gibt es noch drei weitere Remixe (Club Mix, Pandoria und Frozen Plasma Remix), für den zweiten Track wurden zwei Remixe (Muskeltanz und Zoon Politikon Remix) angefertigt. Die Vielfalt der ausgewählten Bands wirkt sich positiv auf die musikalische Bandbreite der Remixe aus. Das Frozen Plasma Remix dürfte auch eingefleischten Synthiepop-Fans gefallen und weißt auf das gemeinsame Projekt „Lykard" von Sänger Martin mit Frozen-Plasma Mastermind Vasi V. hin.

 

Vorbestellbar und erhältlich ist die Schallplatte ausschließlich bei Infacted Recordings, die digitale Version in allen bekannten Streamingportalen.

 

Facebook:  Orange Sector

Tracklist:

Zerstörer (Club Mix)

Zerstörer

Zerstörer (Pandoria Remix)

Zerstörer (Frozen Plasma Remix

Wir sind mehr

Wir sind mehr (Muskeltanz Remix)

Wir sind mehr (Zoon Politicon Remix)

XOTOX -- GESTERN

VÖ: 8.5.2020

Label: Infacted Recordings

Reviewdatum: 8.5.2020

Autor: Gabi Grimme

Xotox — das Einmann-Projekt von Andreas D. blickt seit 1998 auf eine lange Liste von Veröffentlichungen zurück. Am 8. Mai steht wieder eine neue an. Diesmal erfreut uns der fleißige Elekronik-Künstler mit dem Doppel-Album „Gestern“, das wie die bereits ausgekoppelten Singles „Ufo“ und „Sorgenkind“ über das Label Infacted Recordings veröffentlicht wurden. 

 

Wer bei Songs wie „Eisenkiller“ erwartet, wird eines Besseren belehrt werden. Das Album beginnt mit der Single „Sorgenkind“. Kombiniert werden hier zarte, filigrane Klangmuster mit einem krachend pumpenden Beat, der sich wie ängstliches Herzklopfen beschleunigt. „Ich hab keine Angst“ wiederholt die Stimme immer wieder —  ein vergeblicher Versuch der Selbstsuggestion bzw. Beruhigung, wenn quälende Gedanken und die drückende Stille nachts den Schlaf rauben. „Zeitgeist, baby“ dagegen zeigt technoide Einflüsse mit seinem peitschenden Rhythmus. Hektik und Ruhelosigkeit — das ist unser Zeitgeist. Nebenbei ist das ein großartiger Tanzflächenfüller, aber das gilt im Grunde für alle Tracks des Albums.

 

„Ufo“, das auf der zweiten CD gleich sechsmal einem Remix unterzogen wurde, und „Wir haben die Wirklichkeit zerstört“ bilden einen Übergang von den anfangs noch recht feinen, harmonischen Klängen zu den bis zum Ende des Albums hin immer brutaler und dumpfer pumpenden Beats in „Die neue Normalität“ oder „Horizontalverschiebung“. Das Album steuert direkt hinein in die drückende Dunkelheit. Der letzte Track „Keine Angst“ greift das Thema des Anfangsstückes inhaltlich auf. Die Angst ist manifest geworden, der Beat (Herzschlag) konstant an der Panik. Die zweite CD enthält zahlreiche Remixe wie z.B. von ES23, Pete Crane, Wesenberg usw. Die bereits erwähnten sechs Remixe von „Ufo“ zeigen ausnahmslos, wie spannend und unterschiedlich Remixe sein können. 

 

Xotox legt sich nicht fest auf eine Linie, sondern produziert seine Musik aus dem Gefühl heraus, was sich Luft macht in übersteuerten Bassbeats, melancholischen Harmonien in oberen Tonlagen und immer wiederkehrenden Voice-Einspielungen, die die Titel in einen Interpretationsrahmen stellen.

Andreas D. scheint ein aufmerksamer Beobachter zu sein, der es irgendwie schafft, dies in seine Musik einfließen zu lassen. Allein beim Lesen der Songtitel beschleicht mich das Gefühl, dass das der perfekte Corona Shutdown Soundtrack sein könnte, der den Nerv des derzeitigen Lebensgefühls perfekt trifft. Vielleicht setzt diese Musik aber auch gekonnt Trigger, die diese Assoziationen heraus kitzeln. Das soll nicht despektierlich klingen, aber dieses Album liefert dafür eine passende Interpretationsebene --  der Zeitreise von und ins Gestern ist jede Sekunde wert.

 

www.xotox.info

 

Tracklist:

 

Disk: 1

1. Sorgenkind

2. Zeitgeist, baby!

3. Welt-Alarm

4. Haunted

5. Ufo

6. Ein Tagtraum im Regen

7. F*ck you very much

8. Standing on the top of a rusty mountain

9. Zu tief

10. Wir haben die Wirklichkeit zerstört

11. Das falsche Licht

12. Die neue Normalität

13. Horizontalverschiebung

14. Keine Angst

Disk: 2

1. Ufo

2. Ufo (ES23 Remix)

3. Ufo (Wesenberg Rework)

4. Ufo (Plan 9-Remix by Ms Gentur)

5. Ufo (Probe Remix)

6. Ufo ( Pete Crane Remix)

7. Ufo (Laermpegel Remix)

8. Wir haben die Wirklichkeit zerstört (Instrumental)

9. Die neue Normalität (Autoclav1.1 Remix)

10. Zeitstation Bermuda (Retro-Version)

11. Wir haben die Wirklichkeit zerstört (Sven Phalanx Destroyed Reality Remix)

12. F*ck you very much (Stahlschlag Remix)

13. Zeitstation Bermuda (480 Billionen Remix)

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