Xotox -- Gestern (8.5.2020)

Aktualisiert: Juli 5


Xotox — das Einmann-Projekt von Andreas D. blickt seit 1998 auf eine lange Liste von Veröffentlichungen zurück. Am 8. Mai steht wieder eine neue an. Diesmal erfreut uns der fleißige Elekronik-Künstler mit dem Doppel-Album „Gestern“, das wie die bereits ausgekoppelten Singles „Ufo“ und „Sorgenkind“ über das Label Infacted Recordings veröffentlicht wurden. 

Wer bei Songs wie „Eisenkiller“ erwartet, wird eines Besseren belehrt werden. Das Album beginnt mit der Single „Sorgenkind“. Kombiniert werden hier zarte, filigrane Klangmuster mit einem krachend pumpenden Beat, der sich wie ängstliches Herzklopfen beschleunigt. „Ich hab keine Angst“ wiederholt die Stimme immer wieder —  ein vergeblicher Versuch der Selbstsuggestion bzw. Beruhigung, wenn quälende Gedanken und die drückende Stille nachts den Schlaf rauben. „Zeitgeist, baby“ dagegen zeigt technoide Einflüsse mit seinem peitschenden Rhythmus. Hektik und Ruhelosigkeit — das ist unser Zeitgeist. Nebenbei ist das ein großartiger Tanzflächenfüller, aber das gilt im Grunde für alle Tracks des Albums.

„Ufo“, das auf der zweiten CD gleich sechsmal einem Remix unterzogen wurde, und „Wir haben die Wirklichkeit zerstört“ bilden einen Übergang von den anfangs noch recht feinen, harmonischen Klängen zu den bis zum Ende des Albums hin immer brutaler und dumpfer pumpenden Beats in „Die neue Normalität“ oder „Horizontalverschiebung“. Das Album steuert direkt hinein in die drückende Dunkelheit. Der letzte Track „Keine Angst“ greift das Thema des Anfangsstückes inhaltlich auf. Die Angst ist manifest geworden, der Beat (Herzschlag) konstant an der Panik. Die zweite CD enthält zahlreiche Remixe wie z.B. von ES23, Pete Crane, Wesenberg usw. Die bereits erwähnten sechs Remixe von „Ufo“ zeigen ausnahmslos, wie spannend und unterschiedlich Remixe sein können. 

Xotox legt sich nicht fest auf eine Linie, sondern produziert seine Musik aus dem Gefühl heraus, was sich Luft macht in übersteuerten Bassbeats, melancholischen Harmonien in oberen Tonlagen und immer wiederkehrenden Voice-Einspielungen, die die Titel in einen Interpretationsrahmen stellen.


Andreas D. scheint ein aufmerksamer Beobachter zu sein, der es irgendwie schafft, dies in seine Musik einfließen zu lassen. Allein beim Lesen der Songtitel beschleicht mich das Gefühl, dass das der perfekte Corona Shutdown Soundtrack sein könnte, der den Nerv des derzeitigen Lebensgefühls perfekt trifft. Vielleicht setzt diese Musik aber auch gekonnt Trigger, die diese Assoziationen heraus kitzeln. Das soll nicht despektierlich klingen, aber dieses Album liefert dafür eine passende Interpretationsebene --  der Zeitreise von und ins Gestern ist jede Sekunde wert.

Website: www.xotox.info

Label: Infacted Recordings


Tracklist:

Disk: 1

1. Sorgenkind

2. Zeitgeist, baby!

3. Welt-Alarm

4. Haunted

5. Ufo

6. Ein Tagtraum im Regen

7. F*ck you very much

8. Standing on the top of a rusty mountain

9. Zu tief

10. Wir haben die Wirklichkeit zerstört

11. Das falsche Licht

12. Die neue Normalität

13. Horizontalverschiebung

14. Keine Angst

Disk: 2

1. Ufo

2. Ufo (ES23 Remix)

3. Ufo (Wesenberg Rework)

4. Ufo (Plan 9-Remix by Ms Gentur)

5. Ufo (Probe Remix)

6. Ufo ( Pete Crane Remix)

7. Ufo (Laermpegel Remix)

8. Wir haben die Wirklichkeit zerstört (Instrumental)

9. Die neue Normalität (Autoclav1.1 Remix)

10. Zeitstation Bermuda (Retro-Version)

11. Wir haben die Wirklichkeit zerstört (Sven Phalanx Destroyed Reality Remix)

12. F*ck you very much (Stahlschlag Remix)

13. Zeitstation Bermuda (480 Billionen Remix)

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