• Gabriele Grimme

Review: Wire — 10:20


„We’re the most famous band you’ve never heard of.” (Colin Newman, singer --  Rolling Stone Magazin 30.3.2017)


Die britische Post Punk Formation „Wire“ sagen von sich selbst, sie seien die berühmteste Band, von der keiner gehört hat. Wie kann das sein? Allein ihre stetige Präsenz seit 44 Jahren im Musikgeschehen mit 18 Alben (Stand Ende 2020) künden nicht nur von Fleiß, sondern auch von der Hartnäckigkeit „Wires“, das zu tun, was eine (Post) Punk Band tun muss: Gewohntes ironisch auf die Schippe nehmen und konsequent ihren eigenen Weg gehen. „Wire“ nehmen wie immer ohne Poser-Attitüde für sich in Anspruch, sie selbst zu sein. Dabei inspirierte ihr Werk eine ganze Generation von Bands, die dabei zu größerer Popularität kamen als sie selbst. Darauf bezieht sich das Zitat: „Wire“ sind eine der erfolgreichsten Bands, von denen nie einer je hörte.


Damit begann alles: Album Nummer 1 „Pink Flag“ — 22 Songs in knapp 37 Minuten


„Wire“ geben auf ihrer Website zu ihrem 18. Album „10:20“ folgende Empfehlung : „10:20 is that rare thing: an album that not only serves as a must-have for long-term fans and completists, but that’s paradoxically also the perfect introduction for anyone new to the band.“. Dieses Album gewährt einen barrierefreien Einstieg in die Ära Post Punk und in ihr Werk.

Ältere Stücke wandern bei „Wire“ nicht in die Mottenkiste, sondern werden hergenommen, um eine neue Geburt auf der Bühne zu feiern oder werden auf zukünftigen Alben platziert — sie covern sich quasi selbst. So entsteht ein Perpetuum Mobile musikalischer Weiterentwicklung und ganz im Sinne der Nachhaltigkeit könnte man sagen, bei ihnen kommt nichts um.

Von dieser Haltung gegenüber den eigenen Werken sprechen die acht Stücke des Albums „10:20“, die nicht in das Konzept von „Red Barked Tree“, das 2010 aufgenommen wurde, und von dem Anfang 2020 herausgebrachten Album „Mind Hive“ passten. Außerdem feiert „Wire“ auf diese Weise das Jahrzehnt, in dem Gitarrist Matt Simms die Band bereicherte. Mit diesem Ansinnen brachten sie die Stücke, die sich noch in der Warteschleife befanden, auf das neue Album.




Wer jetzt den Eindruck bekommt, „Wire“ würden hier schäbige Resteverwertung betreiben, liegt falsch. Die Songs mussten nur auf ihren Einsatz warten, auf den Zeitpunkt, sich auf einem Album zusammenzufinden. Es ist tatsächlich eine schöne, runde Mischung des „Wire“-Sounds geworden — weder zu borstig noch zu abgedriftet.

Sie nehmen ihre Hörer*innen an die Hand: Auf ihrer Website "Pinkflag" erläutern sie mit Hintergrundinfos jeden Titel des Albums (für alle, die des Englischen mächtig sind). Mittlerweile sind sie auch Gegenstand einer Spielfilm-Dokumentation namens „People in a Film“, die bald herauskommen soll: Ein bewegtes Musikerleben voller Ideen.


Website: Wire

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Label: Pinkflag

VÖ: 20.06.2020

Tracklist:


Side A: 10

1. “Boiling Boy”

2. “German Shepherds”

3. “He Knows”

4. “Underwater Experiences”

Side B: 20

5. “The Art of Persistence”

6. “Small Black Reptile”

7. “Wolf Collides”

8. “Over Theirs”



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