• Gabriele Grimme

Review: Placebo Effect — Shattered Souls

2020 — das Jahr der unerwarteten Ereignisse: Eine Electro-Legende kehrt zurück!


Nach 26 Jahren bringen Placebo Effect mit „Shattered Souls“ endlich ein weiteres Album heraus. Was im Jahr 1999 wie das Ende der Band aussah, war vielmehr der Beginn eines „On-Off-Projekts" — etliche Auftritte führten Axel Machens, Christoph Kunze und Achim Windel neben ihren eigenen Musikprojekten immer wieder als Placebo Effect zusammen.


Ihre Fangemeinde wurde allerdings nicht müde daran zu erinnern, dass ein neues Album fällig sei. Hier ist es! Leider fehlt Gründungsmitglied Achim — er verstarb 2016.

Die Dark Electro Band Placebo Effect wurde 1989 im südniedersächsischen Duderstadt gegründet und brachte 1992 mit „Galleries of Pain“ ihr erstes, wegweisendes Album heraus. Etwa eine Generation später liefern sie den passenden Soundtrack für das Jahr 2020, als ob sie geahnt hätten, dass wir genau dieses Album zum Abschluss eines völlig verrückten Jahres brauchen.

Überwältigt von der bisherigen Resonanz, gibt die Band nur wenig preis. Reinhören in das neue Werk kann man am besten über ihre Bandcamp-Präsenz.

„Shattered Souls“ orientiert sich am Konzept von „Galleries of Pain“. Die bessere Technik heutzutage kommt dem Gesamtsound natürlich zugute und die Klänge sind wie damals sphärisch, analog satt und wie geschaffen für die 'ganz großen Boxen'. Placebo Effect perfektionieren das, was sie schon von Anfang an ausmachte: Experimentelle und orchestrale Soundarchitektur, hypnotische und repetitive Loops, der Einsatz von Samples und der elektronisch verzerrte Gesang. Das war zu ihrer Anfangszeit ungewohnt und neu -- viele Electro Bands orientieren sich noch Jahrzehnte später an diesen Stilmitteln.


Placebo Effect haben auch heute noch den Anspruch , Ideen zu song- und klangtechnischen Experimenten aufzugreifen und in ihrem Sinne weiterzuentwickeln, als einfach nachzuahmen. Diesem Anspruch werden sie auf „Shattered Souls“ gerecht -- sie orientieren sich auf dem neuen Album schlicht an sich selbst.

Es finden sich Stücke wieder, die bereits das Licht der Welt erblickten wie z.B. das im EBM-Styl gehaltene Hard Work, das erstmals 1990 auf den "Gargoyles Tapes" veröffentlicht wurde.




Nothing to Cry — auch dieser Song befindet sich in neuem Glanz auf dem Album (hier in einer älteren Live-Version, da es davon keine neue Veröffentlichung gibt). Ein schönes Beispiel für den dichten, atmosphärischen Klang.



Placebo Effect rangen stets mit sich, den perfekten musikalischen Ausdruck zu finden, was ihnen auf ihrem zweiten Album „Manipulated Mind Control“ nach ihrer eigenen Auffassung nur bedingt gelang, denn ihre Musik soll vor allem emotional wirken und nicht nur das Partyvolk unterhalten. Wobei die Liebhaber*innen dieses Genres sich durchaus gut unterhalten fühlen, wenn sie sich hingebungsvoll in den Sog der Klänge fallen lassen können, um seelisch zwischen Melancholie und latenten Horrors zu oszillieren. Die idealen Songs dafür wären „Feed your Creatures“, „Nothing to Cry“ und der Opener „Dead and Buried“.

Dead and Buried



„Shattered Souls“ ist Musik von und für schwarze Seelen und beim ersten Hören erfasste mich die Wehmut nach den Anfängen dieser Szene und das beruhigende Gefühl, dass es Bands gibt, die sich um das musikalische „Erbe“ kümmern, es weiter entwickeln und zu Gehör bringen. Dieses Album ist definitiv ein „Must Have“.


Bandcamp:

Facebook:

Label: Eigenvertrieb

VÖ: 26.10.2020

Tracklist:

  1. Dead and Buried

  2. Open Dead Eyes

  3. Evil Dead Trap

  4. D.I.S.T.R.U.C.T.I.O.N

  5. Chrystal White Snow

  6. Feed Your Creatures

  7. Pain (What You Get)

  8. Down (On Your Knees)

  9. Hard Work (2020)

  10. P.A.R.T

  11. Slave

  12. Shatterd Souls

  13. V.O.I.C.E.S

  14. Nothing to Cry

  15. L.A.S.T



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